Meine Diplomarbeit
Die Ausbildung ausgewählter Gesundheitsberufe an der Medizinischen
Fachschule Erfurt von 1949-1990
Diplomarbeit
Studiengang Medizin/Pflegepädagogik
Studienrichtung Medizinpädagogik
am
Universitätsklinikum Charité
Medizinische Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin
eingereicht von: Carmen Frey
Betreuer: Dipl.-Soziologin: S. Schnabel
PD H. Eisermann
Berlin, den 2. Mai 2002
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Begründung der Themenwahl
1.2 Zielstellung
1.3 Wissenschaftliche Fragestellung und Arbeitshypothesen
1.4 Untersuchungsmethoden
2. Geschichtlicher Abriss der Ausbildung ausgewählter
Gesundheitsberufe in der DDR
2.1 Die Ausbildung mittlerer medizinischer Berufe
in der sowjetischen Besatzungszone von 1945 - 1949
2.2 Die Ausbildung mittlerer medizinischer Berufe
nach Gründung der DDR von 1950 - 1960
2.3 Die Ausbildung mittlerer medizinischer Berufe
in der DDR von 1961 - 1973
2.4 Die Ausbildung mittlerer medizinischer Berufe
in der DDR von 1974 - 1989
3. Die Medizinische Fachschule Erfurt
3.1 Die Gründung der Fortbildungsschule für
schulentlassene Mädchen
3.2 Die Entwicklung der Fortbildungsschule für
schulentlassene Mädchen bis 1937
3.3 Die Zusammenführung der Mädchenberufs-
und Fachschulen
4. Die Entwicklung der Hauptetappen unterschiedlicher
Gesundheitsberufe an der Medizinischen Fachschule Erfurt von 1949 bis 1990
4.1 Die gewerbliche Berufsschule von 1950 - 1956
4.2 Die Betriebsberufsschule der Medizinischen
Akademie Erfurt von 1957 bis 1960
4.3 Die Medizinische Schule an der Medizinischen
Akademie Erfurt von 1960 bis 1974
4.4 Die Medizinische Fachschule von 1974 bis 1990
5. Zustand der Medizinischen Fachschule zur
Zeit der „sogenannten“ Wende
6. Zusammenfassung und Schlussfolgerung
7. Literaturverzeichnis
8. Anlagenverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Begründung der Themenwahl
Die Deutsche Demokratische Republik war ein Staat, der nur 40 Jahre
existierte, was eine Besonderheit in der Geschichte darstellt. Menschen,
die in diesem Staat lebten, aufwuchsen und arbeiteten sowie deren Kinder
haben das Recht und die Pflicht Kenntnisse, Erfahrungen und Erlebnisse
über diesen historischen Zeitabschnitt in das vereinte Deutschland einzubringen
und zu diskutieren.
Politische Aktivitäten nahmen in den Ausbildungsberufen neben
der fachlichen Kompetenz einen wesentlichen Stellenwert ein, da in der
sozialistischen Gesellschaft die Notwendigkeit bestand ordentliche Fachkräfte
politisch zu bilden.
Vor- und Nachteile sowie Probleme und eventuelle Einschränkungen,
die damit verbunden waren, werden in Literaturquellen und mit Interviews
ehemaliger und derzeit beschäftigter Kollegen recherchiert. Wie
aber dennoch eine gute Ausbildung vermittelt wurde, soll am Beispiel
der Medizinischen Fachschule Erfurt dargestellt werden. Anfang der 90er
Jahre waren die medizinischen Fachschulen der neuen Bundesländer in
ihrer Existenz bedroht. Die Medizinische Fachschule Erfurt konnte mit energischem
Kampf alle Voraussetzungen für ihr weiteres Bestehen unter anderem
Namen erfüllen. Der Umgang mit dieser Situation, die Existenz und die
Entwicklung der Medizinischen Fachschule Erfurt zu Zeiten der DDR sowie
die Problematik der „sogenannten“ Wende veranlassen den Autor zu dieser
wissenschaftlichen Untersuchung.
1.2 Zielstellung
In den vergangenen Jahren wurden schon umfangreiche Untersuchungen
über medizinische Fachschulen der DDR durchgeführt. Lokal historisch
fehlt es jedoch noch an wissenschaftlichen Untersuchungen.
Das Ziel dieser Arbeit besteht darin, die Entwicklung der Medizinischen
Fachschule Erfurt über den Zeitraum des Bestehens der DDR zu verfolgen.
Damit verbunden sollen ausgewählte Gesundheitsberufe wie die Krankenpflege-
und Hebammenausbildung näher untersucht werden.
Des weiteren stellt die Entwicklung der Medizinischen Fachschule
Erfurt eine Besonderheit dar, denn noch heute nach dem Niedergang der
DDR, besteht sie weiter.
Der Autor ist bestrebt aufzuzeigen, dass medizinische Fachschulen
in der Bundesrepublik Deutschland ihre Anwendung finden.
1.3 Wissenschaftliche Fragestellungen und Arbeitshypothesen
1. Bestand zwischen der wirtschaftlichen Entwicklung
sowie der Entwicklung des Gesundheitswesens, der Gründung der Medizinischen
Akademie und der Entwicklung der Medizinischen Fachschule Erfurt ein
Zusammenhang?
Hypothesen:
Es ist zu vermuten, dass mit der ansteigenden Industrie, der enormen
Entwicklung des Gesundheitswesens und insbesondere mit der Gründung
der Medizinischen Akademie und der Entwicklung der Medizinischen Fachschule
Erfurt ein Zusammenhang besteht.
2. Inwieweit hatte der Grundberuf der Lehrkräfte eine besondere
Bedeutung für
die Ausbildung?
Welche Anforderungen an die Qualität wurden an die Lehrkräfte
der Medizinischen Fachschule Erfurt gestellt?
Hypothesen:
Es wird angenommen, dass der Grundberuf von besonderer Bedeutung
war, da in einem Ausbildungsberuf Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten
über den Beruf vermittelt werden. Weiter wird vermutet, dass die Lehrkräfte
eine Lehrbefähigung in Form eines Aufbaustudiums absolvieren mussten.
3.Wie ist die Qualität der fachlichen Ausbildung ausgewählter
Gesundheitsberufe an der Medizinischen Fachschule Erfurt in der DDR zu
bewerten?
Hypothesen:
Es ist anzunehmen, dass aufgrund hoher Anforderungen, insbesondere
zu Zeiten der Fachschulausbildung, der einheitlichen Lehrpläne sowie
des sozialistischen Wettbewerbs eine gute bis sehr gute Qualität der
fachlichen Ausbildung erzielt wurde.
4. Welchen Stellenwert hatte im Rahmen der Ausbildung neben der
Vermittlung fachlicher Aspekte die politische Arbeit zur Zeit des Bestehens
der DDR an der Medizinischen Fachschule Erfurt?
Hypothesen:
Es ist anzunehmen, dass aufgrund des politischen Regimes in der DDR
der politischen Arbeit während der Ausbildung ein ebenso hoher Stellenwert
beigemessen wurde wie der Vermittlung fachlicher Grundlagen.
5. Welche Probleme ergaben sich für die Ausbildung an der Medizinischen
Fachschule Erfurt in der Zeit der sogenannten Wende?
Hypothesen:
Es wird angenommen, dass in der Zeit der sogenannten Wende eine Problematik
durch bildungspolitischer Umstände und Ausbildungsfragen entstand.
Des weiteren wird vermutet, dass es zu Konflikten durch die politischen
Veränderungen kam.
Es ist anzunehmen, dass das Bestehen medizinischer Fachschulen, wie
es die Medizinische Fachschule Erfurt zeigt, in der BRD möglich ist.
1.4 Untersuchungsmethoden
Die methodische Vorgehensweise konzentrierte sich insbesondere auf
Literaturrecherchen und -analysen.
Bereits veröffentlichte Untersuchungen auf dem Gebiet der Ausbildung
mittlerer medizinischer Berufe in der DDR fanden im Literaturstudium
Anwendung. Akten aus dem Stadtarchiv Erfurt wurden für den Zeitraum
von 1906 bis 1949 gesichtet und ausgewertet. Für die Erfassung geschichtlicher
Angaben zum Zeitraum von 1950 bis 1973 konnte nur wenig untersucht werden,
da nur geringes Quellenmaterial vorhanden war.
Anhand archivierter Unterlagen der Medizinischen Fachschule Erfurt,
anhand von Gesetzblättern, Lehrplänen der Krankenpflege- und
Hebammenausbildung, von Leistungsnachweisen, Zeugnisurkunden sowie dem Akademiespiegel
(Klinikzeitschrift der Medizinischen Akademie Erfurt) konnte eine detailliertere
Untersuchung erfolgen.
Bereits veröffentlichte historische Untersuchungen der Stadtgeschichte
wurden ebenfalls genutzt.
Zur Bestätigung untersuchter Aussagen für den Zeitraum
von 1974 - 1990 wurden mit ehemaligen Mitarbeitern sowie derzeit beschäftigten
Kolleginnen/Kollegen (Medizinpädagogen, Diplom- Medizinpädagogen,
mit Diplom - Pädagogen und allgemeinbildenden Lehrern) teilstandardisierte
Interviews durchgeführt und ausgewertet.
2. Geschichtlicher Abriss der Ausbildung ausgewählter
Gesundheitsberufe in der DDR
2.1 Die Ausbildung mittlerer medizinischer Berufe in der
sowjetischen Besatzungszone von 1945 - 1949
Mit der Bildung der sowjetischen Besatzungszone, die sich auf dem
Gebiet der 1949 gegründeten DDR befand, begann ein spezieller Entwicklungsprozess
in den nicht ärztlichen medizinischen wie auch in anderen Bereichen
(z.B. auch in der Wirtschaft).
Am 9. Juni 1945 wurde die Sowjetische Militäradministration
in Deutschland (SMAD) gegründet. „..., die mit ihrem Befehl Nr. 2
vom 10. Juni u. a. der «werktätigen Bevölkerung»
in der Besatzungszone «das Recht zur Vereinigung in freie(n) Gewerkschaften
und Organisationen zur Wahrung der Interessen und Rechte» einräumte
und alle dem entgegenstehenden nationalsozialistischen Gesetze, Verordnungen
und Instruktionen aufhob“ (Wolff, H.-P., 1994, S. 156).
Die Krankenschwestern und Hebammen der künftigen DDR isolierte
man von den internationalen Berufsverbänden. In den Krankenanstalten
und Schulen für Krankenpflege, Hebammen und sonstige medizinische
Berufe erfolgte eine Bestandsaufnahme des Personals, der Lehrkräfte
und Schüler. Mitglieder der NSDAP wurden entlassen.
Am 25. August 1945 trat der SMAD - Befehl Nr. 40 in Kraft, in dem
der „... Forderung nach Lehrkräften,
«die fähig sind, demokratische Grundsätze im Unterricht
und bei der Erziehung anzuwenden und das reaktionäre Wesen des Nazismus,
der Rassenlehre und den militärischen Charakter des ehemaligen Deutschen
Reiches zu enthüllen»
noch nicht entsprochen werden konnte“ (Wolff, H.-P., 1994, S. 157).
Die Deutsche Zentralverwaltung des Gesundheitswesens (DZVG), welche
bereits seit dem 27. Juli 1945 bestand, wurde mit der Erarbeitung eines
Lehrprogrammes beauftragt.
Im Januar 1946 stellte diese ein „«Einheitlich zugelassenes
Programm des Lehrplanes für Krankenpflegeschulen»“ (Wolff, H.-P.,
1994, S. 157) auf, das 400 Stunden theoretischen Unterricht bei zweijähriger
Ausbildungsdauer und eine Prüfungsordnung der Krankenpflegepersonen
beinhaltete. Somit verlor das Krankenpflegegesetz von 1938 seine Gültigkeit.
Diese demokratische Schulreform hatte im Bereich des Gesundheitswesens
die Liquidierung der Privatschulen zur Folge. Insbesondere waren davon
Schulen für MTA und Krankengymnastik betroffen.
Eine eigene Zeitschrift des Gesundheitswesens, die unter dem alten
Namen „Sanitätswarte“ und ab 1949 unter dem neuen Namen „Heilberufe“
herausgegeben wurde, konnte neben dem neu zugelassenen Lehrplan ebenfalls
als Erfolg der neuen Reform verbucht werden.
Das 1949 gegründete Ministerium für (Arbeit und) Gesundheitswesen
in der DDR führte die eingeleiteten Reformprozesse fort.
2.2 Die Ausbildung mittlerer medizinischer Berufe
nach Gründung der DDR von 1950 - 1960
Am 23. März 1950 erfolgte die Zulassung der Regierungsverordnung
zur Neuordnung des Fachschulwesens in der DDR. Im Juli und August 1950
wurden die „Schulen für Krankenpflege“ usw. in Fachschulen umgewandelt.
Somit wurden die mittleren medizinischen Berufe in das staatliche Bildungssystem
integriert.
„Fachschulen wurden definiert als
«solche Schulen, die aus öffentlichen Mitteln unterhalten
werden, außerhalb der Berufspflicht liegen, der beruflichen Aus-
und Weiterbildung dienen und zur Hochschulreife der betreffenden Fachrichtung
führen»“ (Wolff, H.-P., 1994, S. 161).
Ein wichtiger Begründer dieser Fachschulen war Dr. med. Michael
Gehring.
Gehring wurde im Juni 1945 aus amerikanischer Kriegsgefangenschaft
in die sowjetische Besatzungszone entlassen. 1947 wurde er Chefarzt im
Heimkehrerkrankenhaus „Gronenfelde“ in Frankfurt an der Oder. Hier wechselte
Gehring die Mitgliedschaft von der Liberaldemokratischen Partei Deutschlands
in die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands (SED). 1949 hatte ihn
die SED - Führung in die Hauptverwaltung des Gesundheitswesens der
Deutschen Wirtschaftskommission und 1950 in das Ministerium für Arbeit
und Gesundheit der DDR berufen. Dort wurde ihm die Leitung der Abteilung
Schulung übertragen.
„Gehring war als Leiter der Abteilung Schulung maßgeblich an
der Überführung der traditionellen «Staatlich anerkannten
Schulen» für die Medizinalfachberufe in den Fachschulsektor
des Staatlichen Bildungswesens der DDR beteiligt, die 1950 nach dem sowjetischen
Modell der Mittleren medizinischen Ausbildung erfolgte“ (Pflege, Wolff,
H.-P., 1994, S. 172). Das erste ostdeutsche Nachkriegs - Curriculum hatte
Gehring selbst verfasst.
Gehrings Arbeit war eine wesentliche Bereicherung für die Ausbildung
mittlerer medizinischer Berufe, denn er kam aus der Praxis, hatte zuvor
mit Schwestern und Funktionskräften zusammengearbeitet.
Auf der Grundlage des Curriculums umfasste der theoretische Unterricht
1086 Stunden.
Des weiteren war Gehring als Referent in der Fortbildung tätig,
die die Qualifikation zur leitenden Schwester / zum leitenden Pfleger
und zum/zur SeminarlehrerIn umfasste. In dieser Fortbildung fungierte
Gehring auch als Vorsitzender des Prüfungsausschusses. Der Autor
ist der Meinung, dass ein Prüfer im Berufsschulwesen und insbesondere
in der Fortbildung selbst Erfahrungen in der Praxis gesammelt haben sollte.
Nur dann ist er befähigt sich ein sachlich, fachlich korrektes Urteil
darüber zu bilden.
Die sich ab 1951 etablierende Lehre Pawlows hatte ebenfalls einen
erheblichen Einfluss auf die Ausbildung (vgl. Heisig, B., 1999, S. 29).
„“Auf den Physiologen Pawlow geht die Lehre der höheren Nerventätigkeit
(Nervensystem als Bindeglied zwischen Organismus und Umwelt - sogenanntes
zweites Signalsystem) zurück. Seine medizinischen Ergebnisse untermauerte
er ideologisch und bewies mit ihnen z.B. die Richtigkeit des dialektischen
Materialismus. Seine richtigen Gedanken wurden nach 1945 durch extreme
Auslegung übertrieben u. damit unfruchtbar gemacht, vor allem, da
die Untersuchungen der höheren Nerventätigkeit im Gehirn enden
u. den Sozialbereich nicht einschließen.“ In: Wörterbuch der
Medizin, Band 2, S 1350.; In den 50er Jahren wurde die Lehre Pawlows mit
großen Kampagnen zu verbreiten versucht. Das Arbeiten nach Pawlow
war oft Vergleichsgegenstand im sozialistischen Wettbewerb““ (Heisig, B.,
1999, S. 29).
Es ist anzumerken, dass der sozialistische Wettbewerb zum einen zwar
politischen Hintergrund hatte, zum anderen auch Anlass für viele
Mitarbeiter war, besser zu sein als andere. Somit kann man sagen, dass
er auch sein Gutes hatte.
Eine wesentliche Änderung war die Einsetzung hauptamtlicher
Schulleiter in den medizinischen Fachschulen, so erläutert Gehring
diese Notwendigkeit „z.B. wie folgt:
«Nur die Schulleiter sind in der Lage, die Anforderungen des
Ministeriums zu garantieren, die Arbeit so zu organisieren, daß
die Ausbildungsanforderungen von jedem Schüler erreicht werden, insbesondere
aber die Erziehung fortschrittlicher und demokratische Mitarbeit des Gesundheitswesens
mit hohem fachlichem Können.» (Gehring 1951)“ (Pflege, Wolff,
H.-P., 1994, S. 172)
Die Schulleiter kamen aus dem Pflege- oder einem anderen Medizinalberuf.
Noch heute wird davon profitiert, denn der Leiter einer Berufsschule
kann seiner Lehrfunktion nur gerecht werden, wenn er wie der Leiter in
Betrieben Kenntnisse über die Berufsausbildung hat. Und zum anderen
war der Lehrende von nun an nur noch in seiner Funktion tätig und
wurde nicht mehr als zusätzliche Arbeitskraft benutzt. Gehring war
es auch, der seinem Curriculum erstmalig zu den stofflichen und zeitlichen
Vorgaben Lernziele bzw. didaktische Hinweise hinzufügte. Hierzu wird
angemerkt, dass jeder derzeit tätige Lehrer die Notwendigkeit von
Lernzielen in Lehrplänen bestätigt. Die Vermittlung des Unterrichtsstoffes
kann nur mit guter Qualität erfolgen, wenn dem ein Ziel vorangeht.
Von 1950 - 1952 gab es im Gesundheitswesen der DDR nur die Lehrberufe
der Wirtschaftspflegerin und der zahnärztlichen Helferin. 1952 wurden
die Lehrberufe der Hilfsschwester bzw. -pfleger, der Säuglingspflegerin
und Krankengymnastikhelfer eingeführt. Die Lehrberufe der medizinischen
Laborantin und der Apothekenhelferin kamen 1953/54 hinzu.
Somit wurde eine Vergrößerung der Zugangsberufe zur Fachschulausbildung
erzielt, aber eine Abstimmung zwischen Berufs- und Fachschulausbildung
bestand hauptsächlich in der Krankenpflege.
Die Fachschulausbildung war in drei Stufen gegliedert: die Unterstufe,
die Mittelstufe und die Oberstufe.
Das Zugangsalter für die Unterstufe betrug 17 und 18 Jahre,
da eine abgeschlossene Berufsausbildung oder das Abitur vorausgegangen
sein musste. Zwei Jahre dauerte die Ausbildung. Sie wurde in ein Jahr
Theorie und ein Jahr Praxis in unterschiedlichen Abteilungen gegliedert.
Diese Ausbildung führte dann z.B. zum Berufsabschluss als Krankenschwester
bzw. -pfleger, Geisteskrankenschwester/ -pfleger, Säuglingsschwester,
Masseur, und Bademeister, Labor- und Röntgenassistentin (vgl. Wolff,
H.-P., 1994, S. 163).
Die Praxisferne im ersten Lehrjahr brachte bereits nach kurzer Zeit
Probleme mit sich, so dass ab 1954 ein sogenannter Turnusunterricht eingeführt
wurde. Damit wurde ein stetiger Wechsel zwischen Theorie und Praxis erreicht.
In den Fachrichtungen MTA und Krankengymnasten konzentrierte sich die
praktische Ausbildung weiterhin auf schulische Unterweisungen und Übungen.
Noch heute wird der stetige Wechsel zwischen Theorie und Praxis praktiziert,
denn nur so kann Gelerntes gezielt in die Praxis umgesetzt werden.
Erwähnenswert ist auch, dass „... der charakteristisch hohe
Anteil der allgemeinbildenden Lehrgebiete ...“ vermittelt und „...die
Lehrprogramme bis 1961 zugunsten des Fachunterrichts mehrfach korrigiert
wurden“ (Wolff, H.-P., 1994, S. 163).
Um die Mittelstufe zu erreichen, mussten zwei weitere Jahre in Form
eines Fernstudiums absolviert werden. Dazu wurde eine staatliche Erlaubnis
infolge des Abschlusses der Unterstufe vorausgesetzt.
Der Berufsabschluss der Mittelstufe führte zur/zum Betriebs-,
Gemeinde-, Operations- oder Stationsschwester/-pfleger, weiterhin zur/zum
Fachschwester/-pfleger für Orthopädie oder Augenheilkunde oder
zum Abschluss einer Fach-MTA für Histologie, Hämatologie, Serologie,
Bakteriologie, Klinische Chemie bzw. Röntgentherapie oder Röntgendiagnostik.
(vgl. Wolff, H.-P., 1994, S. 163)
Die Berufsausbildung zur Hebamme und zum Krankengymnasten wurde jeweils
in Unter- und Mittelstufe in einem dreijährigen Direktstudium zusammengefasst.
Die Oberstufenausbildung fand nur an drei Fachschulen (Dresden, Frankfurt
an der Oder und Potsdam) der DDR mit einer Dauer von 2x5 Monaten zu Oberinnen
oder SeminarlehrerInnen statt.
Die Erweiterung der Ausbildung war in Form eines Abendstudiums möglich,
wobei den älteren gleichzeitig berufstätigen Erwachsenen im
Unterschied zu den Direktstudenten das Gehalt weiter gezahlt wurde. Damit
wurde auch ihnen die Weiterbildung ermöglicht, denn auf ihr Gehalt
konnten sie nicht verzichten, da sie schon Familien hatten.
„Die Direktoren der Fachschulen wurden den Länderministerien
und nach Umwandlung der Länder in Bezirke den Abteilungen Gesundheits-
und Sozialwesen der Räte der Bezirke zugeteilt“ (Hantke, S., 1999,
S. 25).
Die Verantwortung der Krankenpflegeausbildung lag somit zum ersten
Mal in der Geschichte nicht in der Hand der ärztlichen Direktoren.
„Die stellvertretende Leitung wurde meist durch Lehrer besetzt, die
Gesellschaftskunde unterrichteten, um so die ´sozialistische Erziehung`
zu gewährleisten und für das ´Durchdringen des Fachunterrichts
mit gesellschaftspolitischen Themen` zu sorgen“ (Hantke, S., 1999, S. 25).
Hierzu muss erwähnt werden, dass die sozialistische Erziehung ein
wesentlicher Bestandteil der politischen Erziehung der DDR war.
Mit der Zusammenfassung der Ausbildung einzelner mittlerer medizinischer
Berufe zu Medizinischen Fachschulen wurde der Forderung nach Großschulen
entsprochen.
Die Lehrpläne bedurften „der Genehmigung des Ministeriums für
Volksbildung und des Ministeriums des Innern der DDR“ (Verordnung zur Neuordnung
des Fachschulwesens vom 23.3.1950, GBI. der DDR, Nr. 33, 29.3.1950), um
eine einheitliche Regelung der Ausbildung und der staatlichen Aufsicht zu
gewährleisten. (vgl. Hantke, S., 1999, S. 25)
Die Vereinheitlichung der Lehrpläne wurde von den Lehrern sehr
begrüßt, auch Schüler bewerteten dies positiv. Vergleicht
man die einheitlichen Lehrpläne aus der damaligen Zeit mit der heutigen
Situation, in der alle Bundesländer unterschiedliche Lehrpläne
aufstellen, ist die Frage zu stellen, welche Arbeitsweise die bessere ist.
In Punkt 4 wird diese Aussage näher erläutert.
Zur Ausbildung der mittleren medizinischen Fachkräfte waren
medizinische Fachschullehrer notwendig. Deren Ausbildung dieser wurde
von der SED vorrangig gefördert, „... u. a. ab 1957 durch die Einführung
eines Hochschul-Fernstudiums am Franz-Mehring-Instutut der Karl-Marx-Universität
in Leipzig“ (Wolff, H.-P., 1994, S. 164).
Zuvor musste die mittlere medizinische Fachkraft in einer mindestens
dreijährigen Assistenszeit Kenntnisse in den jeweiligen Fachgebieten,
auf pädagogischem und unterrichtsmethodischem Gebiet wie auch auf
dem Gebiet der „Gesellschaftswissenschaften“ (Marxismus/Leninismus und
die politische Strategie der SED) erwerben.
2.3 Die Ausbildung mittlerer medizinischer Berufe
in der DDR von 1961 - 1973
„Mit dem Beschluß zur Neuordnung der Ausbildung in den mittleren
medizinischen Berufen und zur Bildung der medizinischen Schulen vom 13.
Juli 1961 wurde die Ausbildung in das System der Berufsbildung eingegliedert“
(Hantke, S., 1999, S. 27).
Medizinische Schulen gingen aus den Fachschulen hervor oder wurden
neu gebildet.
„„Die Medizinische Schule ist eine staatliche
Einrichtung der beruflichen Bildung
und Erziehung. Sie vereinigt berufspraktischen, berufstheoretischen
und allgemein
bildenden Unterricht sowie Heimerziehung““ (Hantke, S., 1999, S.
27).
Krankenschwestern/-pfleger, Hebammen usw., die sich für den
berufspraktischen Unterricht gewinnen ließen, wurden zu Lehrmeister
qualifiziert.
1963 wurde am „Institut für Berufspädagogik der Pädagogischen
Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin das zunächst
5jährige Direktstudium von «Diplom-Berufsschullehrern für
das Gesundheitswesen» etabliert“ (Wolff, H.-P./Wolff, J., 1994,
253). Später erhielt diese Abteilung den Namen „Medizinpädagogik“.
„1969 wurde das Direktstudium auf vier Jahre reduziert und gleichzeitig
ein 2,5jähriges Zusatz-Fernstudium eingeführt, das den medizinischen
Berufsschullehrern mit 2. Lehrerprüfung den Erwerb des akademischen
Grades «Diplom-Medizinpädagoge» (Dipl.-Med.-Päd.)
ermöglichte“ (Wolff, H.-P., 1994, S. 175).
Die Errichtung der Abteilung „Medizinpädagogik“ ist aus Sicht
des Autors unerlässlich, da die Lehrkräfte pädagogisch
und fachlichem geschult werden.
Von der Einführung des Fernstudiums wird noch heute profitiert.
Der Autor ist der Meinung, dass das Fernstudium eine sofortige Wirkung
in Bezug auf die pädagogische Bildung bei den Fernstudenten, im Gegensatz
zu den Direktstudenten erzielt. Denn Fernstudenten haben die Möglichkeit,
gezielte Fragen zu methodisch-didaktischen Problemen zu stellen und können
Gelerntes sofort anwenden.
Die o. g. medizinischen Schulen erhielten den Status einer Betriebsschule,
der ärztliche Direktor und die gesamte Ausbildungseinrichtung trugen
die Verantwortung für die Ausbildung. An der Ausbildungseinrichtung
bewarben sich die Lehrlinge mit dem Abschluss der 10. Klasse und erhielten
einen Ausbildungsvertrag. Die Ausbildungseinrichtung verwies die Lehrlinge
an die zuständige medizinische Schule.
Die Ausbildungszeit betrug bis 31.08.1968 3 Jahre, ab 1. September
1968 2½ Jahre.
Für Abiturienten wurde ab 1962 eine Verkürzung der Ausbildung
auf 2 Jahre festgelegt. 1965 wurde diese in Abitur mit Berufsausbildung
umgewandelt. In der 11. und 12. Klasse arbeiteten die Schüler bereits
im Krankenhaus und erwarben im 13. Jahr den Berufsabschluss der Krankenschwester/des
Krankenpflegers.
Die Ausbildung leitenden Pflegepersonals konnte dem trotz dieser
Verbesserungen nicht entsprechen.
Außerdem entstanden Institutionen als Betriebs-, Kreis- und
Bezirksbildungszentren. Hier konnten Hilfskräfte (angestellte Erwachsene)
im Gesundheits- und Sozialwesen abschnittsweise die Qualifikation bis zum
Facharbeiter erwerben. Damit war ein weiterer Entwicklungsprozess geschaffen.
2.4 Die Ausbildung mittlerer medizinischer Berufe
in der DDR von 1974 - 1989
Am 25. September 1973 legte der gemeinsame Beschluss des Politbüros
des ZK der SED, des Ministerrates der DDR und des Bundesvorstandes des
FDGB zur weiteren Verbesserung der Betreuung der Bevölkerung und
der Arbeits- und Lebensbedingungen der Mitarbeiter des Gesundheits- und
Sozialwesens, die Umwandlung der Berufsausbildung für mittleres medizinisches
Personals in eine dreijährige Fachschulausbildung fest. (vgl. Karbe,
K.-H., 1982, S. 69)
Dies erfolgte auf der Grundlage neuer, am 1. September 1974 eingeführter
Lehr-
pläne.
„«in Würdigung der verantwortungsvollen humanistischen
Arbeit und der gewach-
senen Anforderungen an das Wissen und Können»“ (Wolff,
H.-P./Wolff, J., 1994,
S.254)
Der letzte große Entwicklungsprozess der mittleren medizinischen
Berufe in der DDR hatte begonnen. Die Arbeit mittlerer medizinischer
Fachkräfte bestand zum großen Teil aus verantwortungsvollen
Tätigkeiten. Diese brachten es mit sich, dass die Anforderungen an
Wissen und Können sowie Fähigkeiten und Fertigkeiten der Fachkräfte
einen höheren Stellenwert erreichen mussten, damit sie ihren Aufgaben
gewachsen waren. Mit nachfolgender Betrachtungsweise der Entwicklung der
Krankenpflegeausbildung ist festzustellen, dass eine stetige Evolution
mit gezielter Verbesserung erfolgte.
3. Die Medizinische Fachschule Erfurt
3.1 Die Gründung der Fortbildungsschule für
schulentlassene Mädchen
Die Schule um 1906 (damals mit dem Namen „Krämpferschule“)
In der Generalversammlung des thüringischen Städteparlaments
vom 29. und 30. Juni 1906 beantragte der damalige Oberbürgermeister
der Stadt Erfurt erstmals die Eröffnung einer fakultativen Fortbildungsschule
für Mädchen.
Der Magistrat der Stadt Erfurt beschrieb die Notwendigkeit der Errichtung
einer Hauswirtschaftsschule in dieser Zeit wie folgt:
Die Mädchen und Frauen seien für die Hauswirtschaft
und Mutterpflichten
da. Es sei weit verbreitet und nicht unberechtigt, dass es Klagen
über die
mangelhafte oder gänzlich fehlende Ausbildung der Mädchen
in haus-
wirtschftlichen Dingen gibt. In der Hauswirtschaftsschule lernen
sie peinliche
Sorgfalt und Reinlichkeit, Pünktlichkeit, Gewissenhaftigkeit,
Arbeitsfreude,
Dienstbereitschaft sowie das Kochen, Waschen, Nähen und Plätten.
Die städ-
tischen Behörden haben die Pflicht, sich der schulentlassenen
weiblichen
Jugend anzunehmen. (vgl. Acta des Magistrats zu Erfurt von 1907 -
1920)
Der Eröffnung der Fortbildungsschule wurde stattgegeben.
Am 25. Juli 1906 wurde die „Fortbildungsschule für schulentlassene
Mädchen“ gegründet. Sie erhielt den Namen „Krämpferschule“,
da sich die Schule im Krämpferviertel befand. Mit mindestens vollendetem
13. Lebensjahr konnte die Ausbildung begonnen werden.
Die Thüringer Zeitung schrieb zur Gründung der Fortbildungsschule
„Eine Hauswirtschaftssschule für schulentlassene Mädchen in
Erfurt.“ (Thüringische Zeitung vom 16.01.1907)
Weiter wurde geschrieben, dass die Mädchen und Frauen die Möglichkeit
erhielten, sich durch Fortbildung dem Haushalt besser widmen zu können,
so sollten sie aber nicht noch nebenbei in den Fabriken tätig sein
und den Männern die Arbeit wegnehmen. (siehe Anlage 1)
Hier muss erwähnt werden, dass eine Revolution stattfand. Endlich
wurde sich der Ausbildung der weiblichen Jugend angenommen. Die Ausbildung
in Hauswirtschaft für schulentlassene Mädchen und Frauen war
gut durchdacht, denn mit der Ausbildung zum Kochen, Nähen, Waschen,
Plätten usw. fanden diese Mädchen nach Abschluss der Ausbildung
eine Anstellung in den unterschiedlichsten Bereichen. So konnten sie z.B.
in Betrieben oder Krankenhäusern in Küchen und Kantinen sowie
auch in Nähereien Anstellungen finden. Vor allem wurde den Männern
die Arbeit in den Fabriken nicht weggenommen und die Tätigkeiten im
Hauswirtschaftsbereich waren körperlich nicht so schwer wie in den
Fabriken. Positiv ist auch zu werten, dass diese Schule eine Fortbildungsschule
war, dass heißt, nicht nur junge Mädchen wurden hier ausgebildet,
sondern auch Frauen älteren Alters.
Mit diesen Fachrichtungen wurde diese Schule bis 1911 geführt.
Die Eröffnung der Fortbildungsschule war nicht der einzige Neubeginn
der Stadt Erfurt. Ebenso eröffnete 1906 das erste Kino, das Centraltheater
am Friedrich -Wilhelm - Platz seine Pforten. In den Folgejahren entstanden
verschiedene Theater (u. a. das Bioskop-, das Volks-, das Apollotheater
sowie das Kolosseum). Die Stadt Erfurt wurde aber auch durch Erfurter
Bürger auf dem Gebiet der Naturwissenschaften bekannt. „So entwickelte
Ernst Christian Biltz (1822-1903)die sogenannte Schichtmethode in der
analytischen Chemie. Der Begründer der Thorax - Chirurgie, Ferdinand
Sauerbruch (1875-1951) war von 1901 bis 1902 im städtischen Krankenhaus
der Stadt an der Nordhäuser Straße tätig“ (Gutsche, W.,
1986, S. 345). Des weiteren führte der erste bemannte Ballonaufstieg
auf dem heutigen Steinplatz zu Erstaunen. Das Erfurter Stadtgebiet wurde
zunehmend ausgebaut.
3.2 Die Entwicklung der Fortbildungsschule für
schulentlassene Mädchen bis 1937
Im Jahr 1911 wurden die Ausbildungsbereiche erweitert. Der Unterricht
erstreckte sich nach wie vor auf das Weißnähen, Schneidern,
Ausbessern, Umändern von Kleidern, Kochen, Waschen und Plätten,
jedoch kamen die Gesundheitslehre, Kindererziehung und die Krankenpflege
hinzu. Hier wurde ein Meilenstein in der Geschichte gesetzt, denn die Krankenpflegeausbildung
erfolgte erstmalig an einer staatlichen Schule.
Auch zu dieser Zeit wurden Tages- und Abendkurse angeboten. Aufnahmefähig
waren alle einwandfreien schulentlassenen Mädchen und andere weibliche
Personen. Einwandfreie schulentlassene Mädchen war darauf bezogen,
dass zum einen ein Schulabschluss nachzuweisen war und zum anderen mussten
diese Mädchen frei von Krankheiten sein. Dass diese Voraussetzungen
erforderlich waren, ist aus heutiger Sicht gut zu verstehen. Z. B. fordert
die Arbeit in der Krankenpflege ein entsprechendes Wissen ab und kann nur
durch körperlich Gesunde praktiziert werden.
Mit anderen weiblichen Personen waren Frauen gemeint, die schon älter
waren, mitunter Familie, Kinder hatten, aber irgendwann schon einmal
eine Schule besuchten und damit auch einen Schulabschluss besaßen.
Bei der Anmeldung zu einem der Kurse war wie in den vorangegangenen
Jahren mindestens die Hälfte des Schulgeldes zu entrichten. Das Schulgeld
musste auch voll gezahlt werden, wenn die Ausbildung nicht beendet wurde.
Für einheimische Schülerinnen betrug das Schulgeld z.B.
im Jahr 1920 pro Kurs:
Kochen:
20 Mark
Kochen für Fortgeschrittene
25 Mark
Schneidern:
10 Mark
Weißnähen:
20 Mark
Ausbessern:
10 Mark
Handarbeit:
40 Mark
Glanzplätten:
20 Mark
Auswärtige Schülerinnen zahlten pro Kurs ca. 10 Mark mehr.
Die Schülerzahlen sind der Anlage 2 zu entnehmen.
Für die Unterhaltung der Schule wurde vom Staat jährlich
ein Zuschuss gezahlt, wie auch für andere Schulen. Diese Notwendigkeit
bestand, wenn man bedenkt, was in der Schule alles hergestellt wurde.
Positiv ist auch zu werten, dass in der Schule gekochte Gerichte an die
Schüler und Lehrer verkauft wurden, damit ein geringer finanzieller
Ausgleich geschaffen wurde. Zum Nähen wurden z. B. eigene Textilien
zur Abänderung oder Ausbesserung mitgebracht (siehe Anlage 3). So
brachten auch Lehrer zur Vorführung eines Nähkurses eigene Stoffe
mit.
Die Einrichtung eines Unterrichtsraumes für Schneider- und Weißnähklassen
ist der Anlage 4 zu entnehmen.
Hauptamtliche Lehrer wurden befristet eingestellt, die Leiterin der
Schule erhielt zum Gehalt einen Amtszuschlag.
Am 10. September 1920 wurde im Handelsministerium erstmalig der Beschluss
zur Ausbildung von Lehrkräften an der Krämpferschule erlassen.
Frauen, die hier zu Lehrerinnen ausgebildet wurden, mussten besondere
Erfahrungen in der Hauswirtschaft haben, d. h. auch einen Abschluss auf
diesem Gebiet besitzen.
Das stetige Fortschreiten und Erweitern der Krämpferschule ist
nicht zuletzt mit der Zunahme der Bevölkerung sowie der Zunahme der
Industrie verbunden, an erster Stelle der Wirtschaft stand die Metallindustrie.
Weitere Betriebe waren u.a. die Bekleidungs-, Schuh-, Nahrungs- und Genussmittelindustrie.
Ebenso nahm das Versicherungs- und Bankwesen eine entscheidende Stellung
ein. Industriegebiete sind in jeder Stadt mit hoher Bevölkerungs-
und Verkehrsdichte verbunden. Aus heutiger Sicht betrachtet waren diese
Entwicklungsprozesse von entscheidender Bedeutung für das Fortbestehen
der Krämpferschule sowie für die Stadt Erfurt.
Die 1928 eröffnete Chirurgische Klinik der städtischen
Krankenanstalten an der Nordhäuser Straße ist hier zu erwähnen,
da die Lernenden der medizinischen Ausbildungsberufe an den städtischen
Krankenanstalten ihre Praktika absolvierten. So kann verfolgt werden,
dass mit der Erweiterung der Krankenanstalten die Erweiterung der medizinischen
Ausbildungsberufe möglich war.
1938 erfolgte eine weitere Umgestaltung der Krämpferschule.
3.3 Die Zusammenführung der Mädchenberufs-
und Fachschulen
Aufgrund der Zusammenführung von Mädchenberufs- und Fachschulen
erhielt die Krämpferschule 1938 die Bezeichnung „Städtische
Mädchen - Berufs- und Berufsfachschule“.
Somit ergab sich die Notwendigkeit, eine Aufteilung in drei Fachgruppen
vorzunehmen.
- die gewerbliche Abteilung
- die Abteilung jugendlicher
Arbeiterinnen
- die Abteilung Hauswirtschaft
Zu dieser Zeit wurden ca. 2000 Schüler/-innen in 57 Klassen
ausgebildet. Planstellen für fest angestellte Lehrer/-innen gab
es 20. Weitere Lehrer/- innen waren auf Honorarbasis eingestellt.
Während der Kriegsjahre ergaben sich keine wesentlichen Änderungen.
Auch in dieser Zeit herrschte Schuldisziplin und Schulzucht, wie in den
Jahren zuvor. Eine Bedingung war es Unterrichtsausfall lückenlos
nachzuholen, die Schüler/-innen hatten aufgrund des gezahlten Schulgeldes
einen Anspruch darauf. Im Vergleich zur heutigen Schulzucht und Schuldisziplin
ist anzumerken, dass diese Strenge nachgelassen hat. Ein wesentlicher
Grund dafür ist die selbstbewusste, aufgeschlossene Art und Erziehung
der Schüler in Grund- und Regelschulen sowie die antiautoritäre
Erziehung im Elternhaus. Mit dieser Voraussetzung beziehen sich die Schüler
heute stark auf ihre Rechte, weniger auf ihre Pflichten und der Respekt
gegenüber den Lehrern hat mitunter nachgelassen. Der Autor ist der
Ansicht, dass der Lehrer sich und seinen Kollegen und besonders den Schülern
eine gewisse Disziplin abfordern sollte. Gemeint sind damit u.a. Ordnung
und Sauberkeit, auch im Zusammenhang mit Unterrichtsmitteln, die sich im
Besitz der Schule befinden. Ein wesentlicher Aspekt der erwähnt werden
muss, ist die Pünktlichkeit und damit verbunden der Nachweis über
das Fernbleiben z.B. im Krankheitsfall. Aus Sicht des Autors sollten heute
strengere Maßstäbe an das Verhalten und die erforderliche Lernbereitschaft
gestellt werden.
Nach dem 2. Weltkrieg bestand die Krämpferschule von 1945 bis
1950 als Mädchen-Berufs- und Berufsfachschule weiter.
4. Die Entwicklung der Hauptetappen unterschiedlicher
Gesundheitsberufe an der Medizinischen Fachschule Erfurt von 1949 bis
1990
4.1 Die gewerbliche Berufsschule von 1950 - 1956
1950 wurde die Krämpferschule zur gewerblichen Berufsschule
und bestand so bis zum 31.12.1956. Während dieser Zeit bildete man
die Berufe der Vorjahre aus.
Zur medizinischen Ausbildung gehörten insbesondere die der:
- Krankenpflegerinnen
- Säuglings- und Kinderpflegerinnen
- Medizinisch - Technische Assistenten (Labor-
und Röntgenassistenten)
- Technisch - Biologische Ingenieure
- Kranken- und Säuglingspflegerin (Abendschule)
- Geisteskrankenschwestern
Im Archiv der Medizinischen Fachschule Erfurt konnten nur Klassenlisten
der medizinischen Ausbildungsberufe gesichtet werden. Anhand dieser Klassenlisten
wurden ca. 400 Schüler von 1954 bis 1956 der o. g. Fachrichtungen
ausgebildet.
Die genaue Anzahl der Schüler während dieser Zeit war leider
nicht mehr nachvollziehbar, daher behält sich der Autor die Angabe
von Zahlen und Daten vor.
Die industrielle Bruttoproduktion verdoppelte sich durch die hohen
Leistungen der Werktätigen sich in dieser Zeit gegenüber 1936.
Somit waren die Ziele des ersten Fünfjahresplanes erfüllt.
Zu den größten Betrieben der Stadt zählten u.a. das Funkwerk,
VEB Optima sowie die Schuhfabrik „Paul Schäfer“. Des weiteren forderte
der Aufbau des Sozialismus die Bildung und Erziehung wissenschaftlicher
Kader. Mit der Gründung der Pädagogische Hochschule (sie begann
mit 471 Studenten und 48 Lehrkräften) am 12.September 1953 und der
Gründung der Medizinischen Akademie Erfurt am 7. September 1954
wurde diesem Ziel entsprochen. In der Pädagogischen Hochschule wurden
u. a. die Fachrichtungen Deutsch - Russisch, Deutsch -Kunsterziehung und
Mathematik - Physik ausgebildet. Die internationale Ausstrahlung erhöhte
sich spürbar. Mit der Medizinischen Akademie „... wurde den Universitäten
bzw. Medizinischen Fakultäten gleichgestellte Hochschule mit Prüfungs-,
Promotions- und Habilitationsrecht geschaffen“ (Gutsche, W., 1986, S. 531).
Schon in den ersten Jahren nach Gründung der DDR wuchs die Stadt
im industriellen sowie im erziehungs- und bildungspolitischem Bereich,
so dass auch die Einwohnerzahl und das Interesse in Erfurt studieren zu
können stetig anstieg. Hiermit kann vom Autor bestätigt werden,
dass schon im ersten Jahrzehnt seit Bestehen der DDR ein wesentlicher Zusammenhang
zwischen der wachsenden Wirtschaft, der Gründung der Medizinischen
Akademie und Entwicklung der Medizinischen Fachschule bestand. Denn die
Krämpferschule wurde nach einigen Jahren ein Teil der Medizinischen
Akademie.
4.2 Die Betriebsberufsschule der Medizinischen
Akademie Erfurt von 1957 bis 1960
Vom 01.01.1957 bis 31.08.1960 wurde die Krämpferschule zur Betriebsberufsschule
der Medizinischen Akademie Erfurt. Damit entwickelte sich die Schule
zu einer rein medizinischen Schule. Jetzt wurde hier überwiegend
mittleres medizinisches Personal ausgebildet, insbesondere Krankenpflegerinnen,
Säuglingspflegerinnen, Medizinische Laboranten, Zahnärztliche
Helfer und Zahntechniker. Für die ehemalige Hauswirtschaftsschule
war das eine vorteilhafte Entwicklung, da die Medizinische Akademie viele
Interessenten anzog. In dieser Zeit wurden ca. 900 Schüler an der
Schule ausgebildet. Die unterschiedlichen Fachrichtungen sowie die Anzahl
der Schüler einzelner Fachbereiche (siehe Anlage 5) konnten nicht
vollständig ermittelt werden, da u. a. von den Zahnärztlichen
Helfern und Zahntechnikern keine Klassenlisten mehr vorhanden waren.
Die Schüler der Krankenpflegeausbildung kamen nicht nur aus
Erfurt, sondern auch aus den umliegenden Orten wie z.B. Gotha, Mühlhausen,
Eisenach usw..
Im Jahr 1950 wurde die Medizinische Fachschule in der Rathenaustraße
53 in Erfurt gegründet. Ausbildungsberufe waren hier Krankenschwestern,
Säuglings- und Kinderkrankenschwestern. 1957/58 kam die Ausbildung
der Hebammen, Krankengymnasten sowie die Erwachsenenqualifizierung für
Krankenschwestern und Medizin -Technische - Assistenten hinzu.
Die Hebammenausbildung in Erfurt beruht auf eine 200jährige
Tradition. Die Hebammenausbildung erfolgte vor Eingliederung in die Medizinische
Fachschule Erfurt an der Hebammenschule der damaligen Frauenklinik.
Die Medizinische Fachschule in der Rathenaustraße 53 bestand
bis zum 31.08.1959.
In der Hamburger Straße gab es ebenfalls eine medizinische
Schule, welche nur die Fachrichtung der Biologisch - Technischen Assistenten
bis 1959 ausbildete.
Erwähnenswert sind diese Schulen, da sie am 01.09.1960 mit der
Krämpferschule vereinigt und deren Fachrichtungen von der Krämpferschule
übernommen wurden. Die Räumlichkeiten in der Rathenaustraße
53 fungierten u.a. als Internat für auswärtige Schüler.
Dieser Entwicklungsprozess brachte ein höheres Bildungsniveau
mit höheren Anforderungen mit sich.
Aus heutiger Sicht war das für die damalige Zeit ein wesentlicher
Fortschritt. Der Sozialismus war im Aufbau und bestätigte sich zunehmend.
Es muss auch bestätigt werden, dass die Menschen durch den Zuwachs
an Großbetrieben Arbeit hatten und nicht arbeitslos waren. Aber
die Bildung musste in die dafür politisch vorgesehene Bahn gelenkt
werden. Der Sozialismus konnte nur existieren, wenn die Menschen sozialistisch
erzogen wurden.
So wie die „sozialistische Erziehung“ in der Schulbildung einen immer
wesentlicheren Stellenwert einnahm, vollzog sich ebenso ein entscheidender
Umschwung in der sozialistischen Umgestaltung der Eigentumsverhältnisse
in der Industrie. Aus privaten Handwerks-, Handels- und Industriebetrieben
wurden nach und nach Volkseigene Betriebe. Der Kapitalismus verschwand zunehmend
und der Sozialismus trat immer mehr hervor. „Erfurt trat in einen neuen
Abschnitt seiner Geschichte, die Entwicklung zu einer sozialistischen Großstadt,
ein“ (Gutsche, W., 1986, S. 536).
4.3 Die Medizinische Schule an der Medizinischen
Akademie Erfurt von 1960 bis 1974
Verbunden mit der Zusammenschließung der Medizinischen Fachschule
(Rathenaustraße 53), der Schule (Hamburger Straße) und der
Krämpferschule entstand nun die Medizinische Schule an der Medizinischen
Akademie Erfurt. Wie in Punkt 2.3 beschrieben, wurde auch in Erfurt die
Ausbildung mittlerer medizinischer Berufe in das System der Berufsausbildung
eingegliedert. So konnten sich Schüler nach Abschluss der 10. Klasse
an der Medizinischen Schule in Erfurt zu folgenden Ausbildungsberufen bewerben.
1960 wurden direkt ausgebildet:
- Krankenschwestern/-pfleger,
- Säuglings- und Kinderkrankenschwestern,
- Hebammen,
- Medizin - Technische-Laborassistenten,
- Medizin -Techniche Röntgenassistenten,
- Apothekenhelfer,
- Kinderpflegerinnen,
- Zahnärztliche Helferinnen und
- Zahntechniker
1960 wurden in Erwachsenenqualifizierung ausgebildet:
- Krankenschwestern/-pfleger,
- Sprechstundenschwestern,
- Medizin -Technische Assistenten,
- Säuglings- und Kinderkrankenschwestern
In der Medizinische Schule an der Medizinischen Akademie Erfurt traten
546 Schüler 1960 die Ausbildung an. Die Anzahl der einzelnen Fachrichtungen
sind der Anlage 6 zu entnehmen.
Mittels der in Punkt 2.3 angeführten Neuordnung der Ausbildung
mittlerer medizinischer Berufe wurden in anderen größeren Städten
Medizinische Schulen an Krankenhäusern errichtet, so u. a. in Eisenach.
Für die Schüler war dieser Entwicklungsprozess, mehr medizinische
Schulen zu eröffnen, vorteilhaft, da sie nun einen Ausbildungsplatz
in unmittelbarer Nähe erhielten. Damit fielen aber die Schüler
aus Eisenach und deren Umgebung ab 1960 an der Medizinischen Schule in Erfurt
weg.
Wie festzustellen ist, bestand für die Medizinische Schule in
Erfurt ein Zuwachs an Schülern, da wie oben erwähnt, die Schüler
aus der ehemaligen Fachschule der Rathenaustraße 53 hinzukamen.
Ab 1961 kamen an der Medizinischen Schule in Erfurt zu den Ausbildungsberufen
der Vorjahre die der Physiotherapeuten und Diätköche hinzu.
Anstelle der Apothekenhelfer wurden ab 1969 Apothekenfacharbeiter
ausgebildet. Ebenso wurden ab 1969 keine Kinderpflegerinnen mehr ausgebildet,
statt dessen kam die Kinderkrippenerziehung hinzu und im selben Jahr wurde
aus Zahnärztlichen Helferinnen Stomatologische Schwestern. Die Anzahl
der Schüler stieg von 1961 bis 1970 in der Krankenpflegeausbildung
um ca. das Doppelte an. In den anderen Fachrichtungen gab es bis auf die
Ausbildung zum Medizin - Technischen Assistenten (Labor und Röntgen)
(Anstieg um ca. ¼ von 1961 - 1970) nur geringe Änderungen.
Die Gesamtanzahl der Schüler, die an der Medizinischen Schule
der Medizinischen Akademie Erfurt einen Ausbildungsberuf erlernten, stieg
von 1961 bis 1970 von 761 auf 1118. Zurückzuführen sind die
steigenden Schülerzahlen zum einen auf die Zunahme der Geburten nach
dem Krieg und zum anderen auf das starke Wachsen der Industrie. Der Sozialismus
war in vollem Aufschwung. Ein Grund hierfür war die Schließung
die letzte Grenze (zu Westberlin) am 13. August 1961. Die Stadt Erfurt
entwickelte sich unter der Losung „Von der Sowjetunion lernen, heißt
siegen lernen“ (Gutsche, W., 1986, S. 541) zu einer sozialistischen Großstadt.
Auch in dieser Etappe ist festzustellen, dass mit dem wirtschaftlichen
Voranschreiten der Stadt Erfurt die Schülerzahlen der Medizinischen
Schule zunahmen.
Die DDR war nun nach außen abgeschirmt. Menschen, die in ihr
lebten, sollten sozialistisch erzogen werden. Ein wesentlicher Bestandteil
der sozialistischen Erziehung war die politische Erziehung. Dazu war es
erforderlich, dass die Menschen mit dem Kapitalismus keinen Kontakt aufnahmen.
Aus diesen Sätzen wäre zu schlussfolgern, dass sich die Menschen
in der DDR eingeschlossen und eingeengt fühlten. Der Autor nimmt
an, dass der größte Teil der Menschen zu dieser Zeit keine
Probleme mit dieser Situation hatte. Menschen, die Verwandte oder Bekannte
im anderen Teil Deutschlands besaßen, sahen die geschlossenen Grenzen
sehr wohl als Einengung an. Damit die weniger Überzeugten andere
nicht in die falsche Richtung lenkten, waren u. a. politische Gespräche
in den Schulen ein wesentlicher Bestandteil. Die fachliche Ausbildung stand
aber stets im Vordergrund.
Anhand von Leistungsnachweisen ist noch heute nachvollziehbar, was
im einzelnen in medizinischen Berufen eingeschätzt und bewertet wurde.
In dieser Zeit war die verbale Einschätzung fachlich und politisch
ebenso von Bedeutung wie die theoretischen und praktischen Leistungen. Die
Einschätzung der praktischen Ausbildung beinhaltete die Qualität,
die Quantität, die Arbeitsweise sowie den theoretischen Lernstoff (siehe
Anlage 7). Außerdem wurden im Gegensatz zur heutigen Ausbildung Zwischenprüfungen
durchgeführt. Der Autor vertritt die Meinung, dass Zwischenprüfungen
mindestens nach jedem Lehrjahr eine absolute Notwendigkeit darstellen.
Gegenwärtig wird ein Krankenpflegeschüler selbst mit der Note
5 oder 6 von einem Lehrjahr ins andere versetzt. In der derzeitigen Ausbildungs-
und Prüfungsverordnung, welche 1990 von Westdeutschland übernommen
wurde, ist keine konkrete Festlegung beschrieben, in der ein Schüler
mit unzureichenden Leistungen zum Abbruch der Ausbildung gebracht wird.
Wenn ein Krankenpflegeschüler heute z.B. im Fach Anatomie/Physiologie
im ersten Lehrjahr die Endnote 5 erhält, kann er trotz dieser Tatsache
seine Ausbildung im zweiten Lehrjahr fortsetzen. Hat ein Schüler
aber in mehreren Unterrichtsfächern unzureichende Leistungen, kann
die Ausbildung nur in der Probezeit vorzeitig beendet werden. Lernt der
Schüler schon nach der Probezeit, so müssen von Seiten des Arbeitgebers
und der Schule Auflagen erteilt werden, mit denen der Schüler seine
Leistungen verbessert. Werden diese Auflagen vom Schüler nicht eingehalten,
kann ihm gekündigt und die Ausbildung somit zum vorzeitigen Abbruch
gebracht werden. Durch 11jährige Berufserfahrung in der Krankenpflegeausbildung
nimmt der Autor diese Verfahrensweise als nicht zufriedenstellend an.
Denn bei vielen leistungsschwachen Schülern entsteht das Problem
der mangelnden Leistungen nicht erst am Ende der Ausbildung. Steht ein
Schüler zu Zeiten der Prüfungszulassung (Mitte des 3. Lehrjahres)
in den Prüfungsfächern auf 5 oder 6, kann die Prüfungszulassung
verweigert werden. Welche Schlussfolgerungen sind daraus zu ziehen? Die
Zwischenprüfungen in den einzelnen Lehrjahren beinhalteten in der damaligen
Zeit einen Mehraufwand für die Lehrer, fanden aber ihre Bestätigung,
wenn man die heutigen nicht bestandenen Prüfungen verfolgt. Dieser
Zustand ist nicht nur negativ für die hohen Anzahl der nicht bestandenen
Prüfungen zu werten, sondern stellt auch für die Absolventen große
Probleme dar. Absolventen ohne abgeschlossene Berufsausbildung suchen in
unserem Staat vergeblich nach Arbeit. Sie werden entweder einer der zur
Zeit ca. vier Millionen Arbeitslosen oder erhalten einen Job als Hilfsarbeiter.
Damit ist für einen jungen Menschen die Zukunft sehr verbaut. Der Autor
möchte damit sagen, dass der Schüler zum einen durch Zwischenprüfungen
von Anfang an gefordert wird zu lernen. Zum anderen hat ein Schüler
durch den vorzeitigen Abbruch der Ausbildung weniger Jahre verschwendet.
Gerechterweise muss aber auch gesagt werden, dass in der DDR die
Prüfungen auf jeden Fall bestanden werden sollten. Mit leistungsschwachen
Schülern wurde dabei um ein Vielfaches geübt, damit sie die
Ausbildung erfolgreich beenden konnte.
„Für die Bewertung und Einschätzung der Leistungen und
Prüfungsergebnisse ist die einheitliche Zensurenskala des Ministeriums
für Volksbildung verbindlich:
1 = Sehr gut
2 = Gut
3 = Befriedigend
4 = Genügend
5 = Ungenügend“ (Ministerium für Volksbildung,
1962, S. 4)
Für die Erteilung der einzelnen Noten galten folgende Kriterien:
„Sehr gut“ (1) Der Schüler erfüllt die Lehrplananforderungen
vorbildlich. Seine Kenntnisse sind umfassend, er kann selbständig,
zusammenhängend und kritisch denken.
„Gut“ (2) Der Schüler erfüllt
die Lehrplananforderungen ohne Mängel. Seine Kenntnisse sind umfassend,
er kann selbständig und zusammenhängend denken.
„Befriedigend“ (3) Der Schüler erfüllt
die Lehrplananforderungen im wesentlichen. Seine Kenntnisse sind in Einzelheiten
lückenhaft, der Zusammenhang geht dabei nicht verloren.
„Genügend“ (4) Der Schüler erfüllt
nur die elementaren Lehrplananforderungen. Seine Kenntnisse sind lückenhaft,
der Zusammenhang ist gefährdet, geht aber noch nicht verloren.
„Ungenügend“ (5) Der Schüler erfüllt
die Lehrplananforderungen nicht. Seine Kenntnisse sind lückenhaft
und oberflächlich, so dass der Zusammenhang verloren geht.
(vgl. Ministerium für Volksbildung, 1962, S. 4-5)
Derzeit wird die Zensurenskala für die Bewertung und Einschätzung
der Leistungen von 1 bis 6 verwendet, wobei hier die Note 5 mit „Mangelhaft“
und die Note 6 mit „Ungenügend“ benannt werden.
Der Autor ist der Ansicht, dass diese größere Zensurenskala
eine bessere Verdeutlichung und Nuancierung der Leistungseinschätzung
ermöglicht.
4.4 Die Medizinische Fachschule an der Medizinischen
Akademie Erfurt von 1974 bis 1989
Die letzte Etappe der Ausbildung mittlerer medizinischer Berufe
in der DDR begann 1974. Wie in Punkt 2.4 aufgeführt, wurde die Berufsausbildung
für mittleres medizinisches Personal in eine dreijährige Fachschulausbildung
umgewandelt. Während dieser Zeit konnten vom Autor die meisten Informationen
recherchiert und ausgewertet werden, da der größte Anteil
an Literatur vorhanden war.
Jede Veränderung solcher Art sollte der Verbesserung der Betreuung
der Bevölkerung und der Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen
der Mitarbeiter des Gesundheits- und Sozialwesens dienen. Ergebnisse
bei der Verwirklichung von sozialistischer Erziehung und medizinischer
Bildung vom VIII. zum IX. Parteitag waren u. a.:
- Schwerpunkt: Erziehung und Ausbildung sozialistischer
Arztpersönlichkeiten
- Optimierung des Unterrichts in allen Fachdisziplinen,
- Arbeit in kleinen Praktikumsgruppen
- Entwicklung und verstärkter Einsatz von Kurzfilmen, Tonbändern
und Folien
- Schaffung von Lehrbüchern
- durch inhaltliche und methodische Abstimmung von Vorlesungen,
Seminaren und Praktika
- Umwandlung der Medizinischen Schule in eine Medizinische Fachschule
So bestand die Notwendigkeit, die „Medizinische Schule“ in die „Medizinische
Fachschule an der Medizinischen Akademie Erfurt“ umzubenennen (siehe
Anlage 8).
Die Anforderungen an diese Ausbildung wuchsen ebenso wie das Bildungsniveau.
Für jede einzelne Fachrichtung waren Studienpläne vorhanden.
Diese beinhalteten:
- das Ziel der Ausbildung und de Erziehung
- Inhaltliche Schwerpunkte der Ausbildung
- den Aufbau und den Ablauf der Ausbildung
- das Absolventengelöbnis (siehe Anlage 9)
- das Schema des Ausbildungsablaufs
- die Stundentafel
Der Rahmenablaufplan der Krankenpflege- und Hebammenausbildung war
ähnlich aufgebaut. In allen Fachrichtungen der medizinischen Fachschulen
wurde in der ersten Studienwoche die Einführung in die Ausbildung
vorgenommen.
Der Rahmenablaufplan der Krankenpflege- und Hebammenausbildung soll
im folgendem näher beschrieben werden.
1. Studienjahr
1. Semester:
9 Wochen Theoretische
Lehrveranstaltungen
9 Wochen Praktische Ausbildung,
davon theoretische Lehrveranstaltungen
1 Woche Einführung in die Krankenpflege
bzw. Geburtshilfe
1 Woche Erste Hilfe (Lehrgang)
3 Wochen Praktikum in der delegierenden
Einrichtung
1 Woche Prüfungen (diese
Woche konnte für die Vermittlung des Lehrgebietes Medizinischer Schutz
genutzt werden)
2. Semester:
9 Wochen Theoretische Lehrveranstaltungen
9 Wochen Praktische Ausbildung
2 Wochen Prüfungen
20 Tage nachweispflichtiges
Krankenpflegepraktikum
Die theoretischen und praktischen Ausbildungswochen wechselten sich
in 2wöchigen Turnusse ab. Das 3wöchige Praktikum lag in der Zeit
der Winterferien am Ende des ersten Semesters. Während der Prüfungswochen
wurden theoretische und praktische Zwischenprüfungen durchgeführt.
Das 20tägige Krankenpflegepraktikum musste in der Zeit der Sommerferien
absolviert werden. In den restlichen 15 Tagen erhielten die Fachschüler
Urlaub.
2. Studienjahr
3. Semester:
Nach der Einführungswoche in das 2. Studienjahr folgten ebenfalls:
9 Wochen Theoretische Lehrveranstaltungen
9 Wochen Praktische Ausbildung
2 Wochen Prüfungen
3 Wochen Praktikum in der delegierenden
Einrichtung
4. Semester:
9 Wochen Theoretische Lehrveranstaltungen
9 Wochen Praktische Ausbildung
2 Wochen Prüfungen
20 Tage nachweispflichtiges
Krankenpflegepraktikum
Nach dem dritten und vierten Semester wurde Zwischen- und Abschlussprüfungen
in Theorie und Praxis durchgeführt.
3. Studienjahr
5. Semester:
20 Wochen Praktische Ausbildung
3 Wochen Theoretische Lehrveranstaltungen
(einschließlich Prüfungen)
Die theoretischen Lehrveranstaltungen wurden auf einen Tag pro Woche
verteilt.
6. Semester:
22 Wochen Praktische Ausbildung
(einschließlich komplexer Abschlussprüfung)
Die komplexe Abschlussprüfung wurde in der jeweilig delegierenden
Einrichtung durchgeführt.
Die medizinischen Fachschulen hatten aber nicht nur die Aufgabe,
den Rahmenablaufplan einzuhalten, sondern auch die der sozialistischen
Erziehung.
Die Aufgaben der Medizinischen Fachschule bestanden darin:
- Klassenbewusste medizinische Fachschulkader auf
der Grundlage der Beschlüsse der Partei- und Staatsführung auszubilden
und zu erziehen.
- Die Ausbildungsziele und -inhalte in den bestätigten
Studienplänen und Lehrprogrammen mit hoher Qualität zu realisieren.
- Die sozialistische Gemeinschaftsarbeit mit den
Einrichtungen des Gesundheits- und Sozialwesens zu vertiefen sowie die
politisch - pädagogische Zusammenarbeit aller an der Ausbildung
und Erziehung der Studenten beteiligter Kräfte zu koordinieren.
- Die Verantwortung für die Erfüllung
übertragender Aufgaben zum Schutz und zur Erhaltung des ihr anvertrauten
Volkseigentums zu tragen.
- Die zur Verfügung gestellten materiellen,
personellen und finanziellen Fonds auf der Grundlage der Rechtsvorschriften
unter Berücksichtigung des Prinzips der strengsten Sparsamkeit einzusetzen,
damit hohe Leistungen in der Ausbildung erzielt und die Arbeits- und
Lebensbedingungen der Mitarbeiter der Medizinischen Fachschule planmäßig
und kontinuierlich verbessert werden.
- Die aktive Mitwirkung der FDJ ist im gesamten
Ausbildungsprozess bei der Erziehung und Ausbildung der Studenten zu fordern.
- Die Medizinische Fachschule ist für die
Vorbereitung, Durchführung und Auswertung des sozialistischen Wettbewerbs
unter aktiver Einbeziehung der Studenten sowie aller Mitarbeiter verantwortlich
zu machen.
- Die Unterstützung der Bürger im Rahmen
der Gesundheitserziehung sowie die medizinische und soziale Betreuung
von Bürgern im höheren Lebensalter im Wohngebiet zu gewährleisten.
- Im Zusammenwirken mit der Medizinischen Akademie
Erfurt und den Ausbildungseinrichtungen entwickelt die Medizinische Fachschule
ein niveauvolles geistig - kulturelles und sportliches Leben und fördert
die politisch - pädagogische Öffentlichkeitsarbeit.
Die o. g. Aufgaben beziehen sich fast ausschließlich auf die
sozialistische Erziehung. Wie in vorangegangenen Punkten bereits erwähnt,
beinhaltete das wesentlichste Ziel der Ausbildung, die Menschen gezielt
vom Sozialismus zu überzeugen, wobei die fachliche Ausbildung nicht
litt. Betrachtet man den Inhalt der Aufgaben näher, ist positiv
zu werten, das eine entsprechende Gesundheitserziehung angestrebt wurde.
Vergleicht der Autor diese Aufgaben mit den heutigen Aufgaben, ist festzustellen,
dass z. B. die medizinische und soziale Betreuung älterer Bürger
nur sehr wenige Menschen als selbstverständlich ansehen. In der DDR
wurden solche Aufgaben realisiert, indem u. a. Patenschaften mit Alten-
und Pflegeheimen sowie mit Kinderkrippen, Kindergärten und Grundschulen
geschlossen wurden. Hierzu muss gesagt werden, dass die Arbeit in diesen
Patenschaften zum größten Teil in der Freizeit erfolgten. „In
unserer Freizeit fertigten wir Hebammenschülerinnen der SG Heb 78 und
der Heb 79 kleine, aber niveauvolle Artikel an, die wir dann am 12. Dezember
1979 auf einem Solidaritätsbasar in der Frauenklinik verkauften“ (Akademiespiegel
vom 31. Januar 1980). In der heutigen Zeit ist es nur schwer möglich,
Schüler von freiwilliger Arbeit zu überzeugen. Zu Zeiten der DDR
war dies möglich, weil die Menschen so erzogen wurden und unter entsprechendem
Druck standen. Sozialistisches Ziel war, an erster Stelle nicht an sich
selbst zu denken, sondern an die Gemeinschaft. Stellt man sich die Frage,
welche Methode die bessere ist, vertritt der Autor die Meinung, dass die
strenge Methode der sozialistischen Erziehung nicht in der Form die richtige
war und ist. Aber dem heutigen Umgang mit der Umwelt kann auch nicht in allen
Punkten entsprochen werden. Daher ist es unsere Pflicht als Pädagogen,
Verbesserungen anzustreben. Der Autor ist der Ansicht, dass es in Deutschland
zunehmend schwieriger wird, Schüler mit pädagogischem Geschick
davon zu überzeugen, z.B. außerhalb der Arbeitszeit mitzuwirken.
Der Grund dafür liegt in mangelnde Sanktionen. Zu verbessern wäre
dieses Problem eventuell durch Projektarbeiten, die in Lehrplänen festgesetzt
würden. Der Autor möchte damit ausdrücken, dass Menschen,
vor allem Kinder und Jugendliche, ohne gewissen Druck ihre Pflichten mitunter
vernachlässigen.
Angehörige der Medizinischen Fachschule waren zur damaligen
Zeit:
- die hauptamtlich tätigen Fachschullehrer
- die Erzieher in den Studentenwohnheimen der Medizinischen
Fachschule
- die Arbeiter und Angestellten
- die im Direktstudium immatrikulierten Studenten
- die Lehrkräfte für die praktische Ausbildung
in den Einrichtungen der Medizinischen Akademie
Die Medizinische Fachschule wurde von einem Direktor geleitet, der
dem Rektor der Medizinischen Akademie unterstellt war. Er wurde entsprechend
der Festlegung der §§ 5 und 6 der Zweiten Durchführungsbestimmung
vom 20. Mai 1974 zur Verordnung über die Aufgaben der Ingenieur-
und Fachschulen der DDR (GbI. I Nr. 27, S. 270) vom Minister für
Hoch- und Fachschulwesen berufen bzw. abberufen.
Der Direktor war für die Lösung aller Aufgaben verantwortlich.
Es gab zwei Stellvertreter des Direktors.
- für Studienangelegenheiten / theoretische
Ausbildung
- für Studienangelegenheiten / praktische
Ausbildung
Die hauptamtlichen Fachschullehrer waren insbesondere Medizinpädagogen,
Diplom - Medizinpädagogen, allgemeinbildende Lehrer und Lehrkräfte,
die sich im Fernstudium zu Medizin- bzw. Diplom - Medizinpädagogen
befanden. Wie oben angeführt, wurden auch Lehrkräfte eingestellt,
die lediglich den Beruf der Krankenschwester/- pfleger, Hebamme, Medizin
Technische - Radiologieassistenten usw. gelernt hatten. Um an der Medizinischen
Fachschule als Lehrkraft eingestellt zu werden, musste sich diese verpflichten,
das Studium zum Medizinpädagogen zu absolvieren. Das wurde im Arbeitsvertrag
festgeschrieben. So konnte man sicher sein, wer in diesem Beruf arbeiten
möchte, wird sich auch weiter qualifizieren wollen.
Die größte Anzahl der Lehrkräfte waren die Medizinpädagogen.
Diese hatten alle zuvor einen medizinischen Grundberuf erlernt und z.
T. in diesem einige Zeit gearbeitet. Lehrer, die in der Berufsausbildung
tätig sind, sollten den Beruf selbst erlernt haben, damit sie den
Unterricht optimal gestalten können. Kenntnisse, Erfahrungen, Fähigkeiten
und Fertigkeiten können nur weitergegeben werden, wenn man sie selbst
beherrscht. So ist das z. B. in der Krankenpflege mit der Verabreichung
von Injektionen sowie in der Geburtshilfe mit dem Dammschutz.
Allgemeinbildende Lehrer sind für die Unterrichtsfächer
wie Deutsch, Physik, Chemie, usw. unabkömmlich.
Den Leiter der praktischen Ausbildung gibt es jetzt nicht mehr. Diese
Aufgabe übernehmen die Abteilungsleiter der einzelnen Abteilungen.
Da der Abteilungsleiter nicht jederzeit in der Praxis ist, arbeiten die
vor Ort befindlichen Kollegen dem Abteilungsleiter alles zu. Diese Tatsache
folgt daraus, dass die Medizinische Fachschule heute als eine Berufsschule
ohne direkte Zugehörigkeit zu einer praktischen Einrichtung besteht.
Folgende Abteilungen bestanden an der medizinischen Fachschule:
- Abteilung Krankenpflege
- Abteilung Kinderkrankenpflege / Diätetik
- Abteilung Physiotherapie / Hebammen
- Abteilung Medizin - Technische Assistenz
- Abteilung Stomatologische Assistenz / Audio -
Phoniatrieassistenz
Ab 1974 wurden insgesamt 2311 mittlere medizinische Fachkräfte
an der Medizinischen Fachschule Erfurt ausgebildet. Die umfangreichste
Abteilung der damaligen Zeit war die Krankenpflegeausbildung mit 388 Fachschülern.
Hebammen mit 97 Fachschülerinnen und Kinderkrankenschwestern mit
162 Fachschüler wurden jährlich ausgebildet (je eine Klasse
mit 18 - 30 Schülern).
Zu diesem Zeitpunkt bildete die Medizinische Fachschule z. B. in
der Abteilung Krankenpflege auch Schüler vom Rat der Stadt und umliegender
Krankenhäuser aus.
Da die Schülerzahlen stetig zunahmen, besaß die Medizinische
Fachschule 1974 keine Kapazität mehr, neue Schüler aufzunehmen.
Aus diesem Grund, eröffnete zum 1. September 1974 die Medizinische
Fachschule am Rat der Stadt in der Turniergasse. Hier wurden alle Fachschüler
der Krankenpflege- und Kinderkrankenpflege des Rates der Stadt Erfurt und
der umliegenden Krankenhäuser (Erfurt Land), sowie die Fachschüler
der Krippenerziehung (da die Einsatzbereiche ebenfalls dem Rat der Stadt
und Erfurt Land angehörten) ausgebildet. Somit wurden vom 1.9.1974
bis 31.12.1984 nur die Fachschüler der Krankenpflege- und Kinderkrankenpflege
der Medizinischen Akademie Erfurt an der Medizinischen Fachschule in der
Leipziger Straße 15 ausgebildet. Die Studienrichtungen und die Anzahl
der Fachschüler über diesen Zeitraum sind in der Anlage 10 aufgeführt.
Am 31.12.1984 schloss die Medizinische Fachschule des Rat der Stadt
in der Turniergasse und alle Fachschüler sowie Fachschullehrer übernahm
am 1.1.1985 wieder die Medizinische Fachschule an der Medizinischen Akademie.
Der sozialistische Wettbewerb wurde stets dazu genutzt, die Leistungen
zu erhöhen. So wurde im Akademiespiegel geschrieben: „Reserven liegen
z. B. in der Erhöhung der Qualität der Arbeit sowohl der medizinischen
Betreuung als auch der Lehre und Erziehung sowie der Forschung“ (Akademiespiegel
vom 14. Februar 1980). Da viele das Bestreben hatten, „unter der Losung
„Für ein hohes Niveau in Aus- und Weiterbildung sowie medizinischer
Forschung; für hohe Qualität und Wirksamkeit der medizinischen
Betreuung - zum Wohl unserer Bürger““ (Akademiespiegel vom 31. Januar
1980, S. 1) mit qualitäts- und termingerechter Erfüllung bzw.
Überbietung die besten Ergebnisse anzustreben, wurden ständig
Verbesserungen erzielt. Ebenso standen Solidaritätsinitiativen an der
Tagesordnung.
Weiterhin wurden Fachgruppen für die jeweiligen Fachrichtungen
bestimmt. Damals beinhaltete die Fachgruppenarbeit nicht nur inhaltliche
und methodische Probleme, sondern auch politisch - ideologische. Auch heute
wird Fachgruppenarbeit realisiert, die sich ausschließlich mit inhaltlichen
und methodisch - didaktischen Problemen beschäftigt, was zustimmend
zu werten ist.
In Punkt 2.2 wurde bereits erwähnt, dass einheitliche Lehrpläne
für die gesamte DDR bestanden. Von Lehrern und Schülern wurde
dies zum Teil begrüßt, da es bei einem Schulwechsel während
der Ausbildung keine Probleme gab. Die Lehrer mussten sich streng an die
Lehrpläne halten. In den Interviews, welche im Rahmen dieser Thematik
erarbeitet wurden, war zu 50% die Meinung vertreten, dass dem Lehrer selbst
gewisse Freiheit beim Unterrichten gelassen werden sollte. Der Autor schließt
sich dieser Meinung an.
Die inhaltlichen Themen in der Theorie der Krankenpflege, Kinderkrankenpflege-
und Hebammenausbildung waren insofern identisch, als dass der größte
Anteil den fachpraktischen Unterrichtsfächern mit ca. 300 Stunden
zugeteilt wurde (siehe Anlage 15). Diesen folgten in allen drei Fachrichtungen
die Grundlagen des Marxismus - Leninismus mit 216 Stunden Ende der 70er
Jahre. In den 80er Jahren wurden die Stunden in Marxismus - Leninismus noch
einmal erhöht. Vergleicht man den Anteil des Hauptfaches mit dem Anteil
der politischen Bildung, sind die Stunden der politischen Bildung viel zu
hoch bemessen worden. Mit diesem Beispiel aus der Krankenpflege, Kinderkrankenpflege-
und Hebammenausbildung wird verdeutlicht, dass die Menschen in der DDR
zunehmend politisch eingeengt wurden und dies folglich zum Scheitern des
Staates führen musste.
Die fachliche Ausbildung dieser drei Ausbildungsberufe wurde von
allen Befragten mit gut bis sehr gut bewertet. Aber der Druck der politischen
Arbeit wurde zum Teil zu aufgepropft als „politisches Schwänzchen“
bezeichnet.
Die praktische Ausbildung in der Krankenpflegeausbildung wurde dahin
gehend bemängelt, dass die Fachschüler zu wenig unterschiedliche
Abteilungen durchlaufen sind, die Fachschüler waren z. B. 12 Wochen
auf einer Station eingesetzt. Dieser Problematik nahm man sich unmittelbar
nach der Wende an. Heute absolvieren die Krankenpflegeschüler 6wöchige
Praktika, die sich bewährt haben. Die Zusammenarbeit zwischen Theorie
und Praxis wurde damals vorteilhafter eingeschätzt als die heutige.
Das liegt aber auch daran, dass die Medizinische Fachschule zur Medizinischen
Akademie gehörte, jedoch eine noch wesentlichere Begründung
lag darin, dass die damaligen Lehrschwestern für die Arbeit mit den
Schülern zusätzlich entlohnt wurden.
5. Zustand der Medizinischen Fachschule zur
Zeit der „sogenannten“ Wende
Zur Zeit der „sogenannten“ Wende wurde unter anderem bildungspolitisch
alles geändert.
In diesem Zusammenhang führte die Tatsache, zunächst ohne
Lehrpläne arbeiten zu müssen zu Unsicherheiten bei den Lehrern.
Nach kurzer Zeit wurden die bayrischen und hessischen Lehrpläne verwendet.
Aber auch die Einarbeitung in diese Lehrpläne war zum Teil schwierig.
Weiterhin gab es in der Krankenpflege einen großen Ansturm
an Umschülern , die im Alter von 18 - 50 Jahren die Ausbildung begannen.
In der Kinderkrankenpflege- und Hebammenausbildung wurden im Gegensatz
zur Zeit der DDR weniger Schüler aufgenommen. Für die Lehrkräfte
dieser Fachrichtungen war das mit Einarbeitungen in neue Fachrichtungen
verbunden. Ein neuer Fachbereich war und ist die Kinderpflege. Hier bestand
für die Lehrkräfte zunächst das Problem, dass die Schüler
mit einem Hauptschulabschluss in die Ausbildung kamen, sie aber zuvor Schüler
höheren Niveaus unterrichteten.
Jetzt werden Kinderkrankenschwestern und Hebammen nur noch jedes
3. Jahr ausgebildet. Die Fachrichtung Krippenerziehung fiel völlig
weg, im ersten Jahr nach der Wende wurden an der Medizinischen Fachschule
Krippenerzieher zu Erziehern umgeschult. Die Fachschullehrer dieser Fachrichtung
mussten sich völlig neu um orientieren. Mitunter betraf das auch
ältere Mitarbeiter, aber sie haben diese Umstellung sehr gut gemeistert.
Es kamen auch neue Fachrichtungen hinzu, die der Kinderpflege, Sozialbetreuer
und Heilerziehungspfleger. Stomatologische Schwestern wurden wieder zu
Zahnärztlichen Helfern. Die massiven Änderungen und der Kampf
der Schule , eine Medizinische Fachschule zu bleiben, war sehr anstrengend
und vollzog sich über Jahre.
Positiv zu werten war, dass die politischen Gespräche sowie
die Einbindung politischer (sozialistischer) Erziehung im Unterricht
wegfielen. Des weiteren war nun mehr Literatur für den Unterricht
vorhanden. In der Praxis wurde die Arbeit durch Einmalmaterialien wesentlich
erleichtert.
Die Zusammenarbeit mit der Praxis in Bezug auf Lehrvisiten hatte
nachgelassen, weil Ärzte und Schwestern die Klinik verließen,
um in den alten Bundesländern zu arbeiten.
Da in der Medizinischen Fachschule Erfurt aber stets der Erhalt der
Mitarbeiter und das Ziel, eine Medizinische Fachschule zu bleiben, im Vordergrund
standen, nicht zuletzt ist dies der derzeitigen Schulleiterin zu verdanken,
hat die Schule es mit allen Kräften geschafft, weiter fortzubestehen.
Heute trägt die Medizinische Fachschule Erfurt den Namen:
Staatlich Berufsbildende Schule 6 für Gesundheit und Soziales
6. Zusammenfassung und Schlussfolgerung
Die Medizinische Fachschule Erfurt hat sich aus einer Mädchenschule
mit unterschiedlichen Fachrichtungen der Hauswirtschaft entwickelt. Nachdem
1911 erstmalig die Fachrichtungen Krankenpflege, Kindererziehung und
Gesundheitslehre vermittelt wurden, ist nicht nur ein Meilenstein in
der Geschichte gesetzt worden, sondern auch der Grundstein für die
Medizinische Fachschule.
Zu Beginn der DDR war schon abzusehen, dass die Gesundheitsberufe
des mittleren medizinischen Personals Entwicklungsprozesse durchlaufen
würden.
Anhand von Literaturrecherchen der Chronik der Stadt Erfurt sowie
der Chronik der Medizinischen Akademie Erfurt, archivierter Unterlagen
der Medizinischen Fachschule Erfurt und der Informationen ehemaliger und
noch unterrichtender Mitarbeiter der Medizinischen Fachschule konnte ein
enger Zusammenhang in der wirtschaftlichen und gesundheitspolitischen Entwicklung
festgestellt werden.
Die besondere Bedeutung, dass die Lehrkräfte aus einem Grundberuf
(Krankenschwester, Kinderkrankenschwester, Hebamme, usw.) kamen, ist
durch die Interviews der 30 befragten Medizinpädagogen, Diplom -
Medizinpädagogen und Diplompädagogen nachgewiesen worden. Die
Notwendigkeit hierzu wurde bereits beschrieben.
Es wurde weiter festgestellt, dass die Lehrkräfte nicht nur
über fachliche Kompetenz verfügen, sondern auch politisches
Wissen in Form der „sozialistischen Erziehung“ vermitteln mussten. Bei
Hospitationen war ein Bewertungskriterium die Einbindung der politischen
Erziehung in den Unterricht. Für Unterrichtsthemen wie die Anatomie
der Knochen ist das aus heutiger Sicht nur schwer vorstellbar, wie hier
politische Erziehung eingebracht werden sollte. An diesem Beispiel soll
verdeutlicht werden, wie aufgepfropft dies war. Damit ist der hohe Stellenwert
der politischen Arbeit in der DDR zu belegen, denn in der Ausbildung zum
mittleren medizinischen Personal wurden Fachkräfte ausgebildet, die
eine erzieherische Aufgabe hatten. Sie stellten Persönlichkeiten dar,
von denen gelernt werden konnte und sollte.
Die fachliche Ausbildung stand jedoch stets im Vordergrund. Zu belegen
ist dies unter anderem an den fortschreitenden Entwicklungsprozessen
des Gesundheitswesens sowie an den fortschreitenden Entwicklungsprozessen
der Ausbildung mittlerer medizinischer Berufe in der DDR.
Abschließend ist festzuhalten, dass die Ausbildung der DDR
einen enormen Entwicklungsprozess durchlaufen hat, wobei die sozialistische
Erziehung einen hohen Stellenwert einnahm. Dabei wurden die Bürger
der DDR immer stärker in die Enge des Sozialismus getrieben, so dass
der Staat früher oder später zum Scheitern verurteilt war.
Aus Sicht des Autors haben berufsbildende Schulen auch in der heutigen
Zeit Vorteile. An berufsbildenden Schulen werden verschiedene Fachrichtungen
ausgebildet, demzufolge können Lehrer, die im Grundberuf in einer
speziellen Abteilung (z. B. Krankenschwester/- pfleger in der Hautklinik)
tätig waren, das klinische Fach in verschiedenen Fachrichtungen vermitteln.
Für die Schüler bringen die gezielten Kenntnisse eine höhere
Effizienz. An Krankenpflegeschulen ist das nicht möglich.
Die Medizinische Fachschule Erfurt durchlief alle Etappen in der
DDR mit mehr oder weniger großen Anstrengungen. Der schwerste Kampf
bestand aber nach dem Scheitern der DDR, da in anderen Teilen der ehemaligen
DDR die meisten medizinischen Fachschulen liquidiert wurden.
Literaturverzeichnis
Arbeitsgemeinschaft Deutscher Schwesternverbände / DBfK:
„Krankenpflegegesetz und Ausbildungs- und Prüfungsverordnung“,
Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart, 1987
Gutsche, Willibald:
„Geschichte der Stadt Erfurt“, Hermann Böhlhaus Nachfolger,
Weimar, 1986
Karbe, Karl-Heinz:
„Geschichte der Krankenpflege und der Krankenpflegeberufe -Ein Abriß-“,
Institut für Weiterbildung mittlerer medizinischer Fachkräfte,
Potsdam, 1982, 1. Auflage
Knappe, J., OMR Prof. Dr. sc. med.:
„35 Jahre Medizinische Akademie Erfurt 1954 - 1989“, Erfurt, 1989
Ministerium für Gesundheitswesen:
„Studienplan für die Fachrichtung Geburtshilfe“, Potsdam, 1979
Ministerium für Gesundheitswesen:
„Studienplan für die Fachrichtung Geburtshilfe“, Potsdam, 1986
Ministerium für Gesundheitswesen:
„Studienplan für die Fachrichtung Krankenpflege“, Berlin, 1977
Ministerium für Gesundheitswesen:
„Studienplan für die Fachrichtung Krankenpflege“, Berlin, 1985
Ministerium für Volksbildung Abteilung Berufsbildung:
„Bewertungsrichtlinien für die sozialistische Berufsausbildung“,
Volk und Wissen Volkseigener Verlag, Berlin, 1962
Rektor der Medizinischen Akademie Erfurt:
„Festschrift der Medizinischen Akademie Erfurt“, Verlag Fortschritt
Erfurt, 1992
Wolff, Horst-Peter:
„Der Einfluß Michael Gehrings (1918-1969) auf die Krankenpflegeausbildung
in der DDR“, in Pflege, Hans Huber Verlag, Bern, 1997
Wolff, Horst-Peter / Wolff, Jutta:
„Geschichte der Krankenpflege“, RECOM Verlag, Basel / Eberswalde,
1994
Wolff, Horst-Peter:
„Vergleichende Geschichte der medizinischen Berufsbildung“, RECOM
Verlag, Basel / Eberswalde, 1994
Zeitungen / Zeitschriften:
„Thüringische Zeitung“ vom 16.01.1907
„Akademiespiegel“ vom 31. Januar 1980
„Akademiespiegel“ vom 14. Februar 1980
„Akademiespiegel“ vom 12. März 1980
„Akademiespiegel“ vom 11. Dezember 1986
„Akademiespiegel“ vom 8. Januar 1987
Diplomarbeiten:
Hantke, Susanne:
„Die Geschichte der Krankenpflegeausbildung in Chemnitz“, Diplomarbeit,
Berlin, 1999
Heisig, Barbara:
„Pflege in der DDR, Die Entwicklung der Krankenpflege und der Einfluß
der „Gesellschaft für Krankenpflege in der DDR“ - Professionalisierung
oder Sackgasse?“, Diplomarbeit, Halle, 1999
Krause, Erika:
„Untersuchungen zum Einfluß des Bedingungdsgefüges einer
Gesundheitseinrichtung auf die Realisierung staatlicher Ausbildungsvorschriften
und Berufsregelungen für Krankenschwestern/-pfleger in der ehemaligen
DDR, analysiert und dargestellt am Beispiel des Kreiskrankenhauses Apolda
von 1950 bis 1989“, Diplomarbeit, Berlin, 1992
Schmidt, Aanna:
„Traditionspflege in der Hebammenausbildung - wichtiger Bestandteil
der kommunistischen Erziehung“, Diplomarbeit, Berlin, 1985
Tröber, Elke:
„Untersuchungen zur Geschichte der medizinischen Lehranstalt am Bezirkskrankenhaus
„Ernst Scheffler“ Aue von 1949 - 1990“, Diplomarbeit, Berlin, 1991
Stadt- und Verwaltungsarchiv der Landeshauptstadt Erfurt:
„Acta des Magistrats zu Erfurt, betreffend Statut für die gewerblichen
Fortbildungsschulen von 1895 - 1913“
„Mädchenschule 48“, Aktenzeichen: 200/22/1
„Acta des Magistrats zu Erfurt, betreffend die Hauswirtschafts- und
Fortbildungsschulen von 1907 - 1920“
„Acta des Magistrats zu Erfurt, betreffend Etat der hauswirtschaftlichen
Fortbildungsschulen für Mädchen von 1909“
„Akten des Magistrats zu Erfurt, betreffend der hauswirtschaftlichen
Fortbildungsschulen von 1919 - 1923“
„Gründung von Stellen an berufsbildenden Schulen“, Band 1 von
1937 - 1944, Aktenzeichen: 200/13/22
„Erziehungs- und Ausbildungsbeihilfen an Berufsschulen“, Band 1 von
1938 - 1949, Aktenzeichen: 200/15/21
„Gewerbliche Berufsschulen von 1939 - 1945“, Aktenzeichen: 1-2/240-4343
„Eröffnung der Berufsschulen 1945“, Aktenzeichen: 1-2/240 -
9508
„Verzeichnis für Lehrkräfte 1949“, Aktenzeichen: 206/8617
„Ausbildung von Berufsschullehrern 1949“, Aktenzeichen: /9420
Anlagenverzeichnis
Anlage 1 Thüringische Zeitung vom 16.01.1907
Nr. 13
Anlage 2 Klassenübersicht nebst Schülerzahlen
vom 24.Mai 1924
Anlage 3 Veröffentlichung des Kursbeginns
unterschiedlicher Fachrichtungen an der Hauswirtschaftlichen Fortbildungsschule
für schulentlassene Mädchen von 1920
Anlage 4 Einrichtung eines Unterrichtsraumes für
die Schneider- und Weißnähklassen
Anlage 5 Ausbildung der unterschiedlichen Fachrichtungen
mit Schülerzahlen von 1957 bis 1960
Anlage 6 Anzahl Schüler, die 1960 die Ausbildung
antraten.
Anlage 7 Leistungsnachweis über die Berufsausbildung
Zeugnis über die Berufsausbildung, Facharbeiterurkunde
Anlage 8 Ausschnitte aus dem Statut der Medizinischen
Fachschule an der Medizinischen Akademie Erfurt
Anlage 9 Absolventengelöbnis, Urkunde zur
Fachschulanerkennung, Staatliche Erlaubnis
Anlage 10 Absolventen seit Bestehen der Fachschule
Anlage 11 Interviewfragen, Interviewauswertung,
Interviewprotokolle
Anlage 12 Thesen
Anlage 13 Eidesstattliche Erklärung
Vermerk zu den Anlagen:
Es sind nur die Anlagen 5, 6 und 11 hier veröffentlicht.
Die Anlagen 1 bis 4, 7 bis 9 und 13 können bei Interesse
von der Autorin Carmen Frey über Mail abgefordert werden.
Anlage 5:
Von 1957 bis 1960 wurden folgende Berufe ausgebildet
Fachrichtung
|
1957
|
1958
|
1959
|
Krankenpflege
|
77
|
50
|
60
|
Krankenpflege Abendstudium
|
42
|
52
|
45
|
Säuglings- und Kinderpflege
|
62
|
59
|
94
|
Säuglings- und Kinderpflege Abendstu-dium
|
17
|
|
7
|
Hebammen
|
|
26
|
47
|
Krankengymnastik
|
35
|
|
75
|
Stationsschwester für Krankenpflege
|
|
|
25
|
Stationsschwester für Säuglingspflege
|
|
|
7
|
Geisteskrankenschwester Abendstudium
|
|
13
|
|
In der Tabelle ist nur die Anzahl der Schüler enthalten, welche
die Ausbildung erfolgreich beendeten.
Von 1957 bis 1959 traten ca. 50 Schüler die Ausbildung in den
o. g. Fachrichtungen an, welche die Ausbildung nicht beendeten.
Des weiteren fehlten genaue Zahlen über die zahnärztlichen
Helfer und die Zahntechniker.
Anlage 6:
1960 begann die Ausbildung zu folgenden Berufen
Fachrichtung
|
Anzahl der Schüler
|
Krankenpflege
|
76
|
Krankenpflege (Abendschule)
|
80
|
Säuglingspflege
|
50
|
Säuglingspflege (Abendschule)
|
73
|
Kinderpflege
|
40
|
Hebammen
|
30
|
Zahnärztliche Helfer
|
25
|
Zahntechniker
|
22
|
Medizin - Technische - Assistenten
|
54
|
Medizin - Technische - Assistenten(Abendschule)
|
50
|
Stationsschwester 22
|
22
|
Apothekenhelfer
|
24
|
In der Tabelle ist die Anzahl Schüler enthalten, die 1960 die Ausbildung
antraten.
Es waren insgesamt 546 Schüler.
Anhand von Klassenlisten der damaligen Zeit war ersichtlich, dass
ca. 550 Schüler diesen Jahrganges ihre Ausbildung erfolgreich beendeten.
Von 1961 und 1965 wurden folgende Berufe ausgebildet
Fachrichtung
|
Anzahl der Schüler 1961
|
Anzahl der Klassen 1961
|
Anzahl der Schüler 1965
|
Anzahl der Klassen 1965
|
Krankenpflege
|
127
|
4
|
182
|
7
|
Krankenpflege (Abendschule)
|
|
|
|
|
Säuglings- und Kinderkrankenpflege
|
143
|
4
|
90
|
4
|
Säuglings- und Kinderkran-kenpflege (Abendschule)
|
|
|
|
|
Hebammen
|
35
|
2
|
36
|
2
|
Medizin - Technische - Assistenten (Labor, Röntgen)
|
141
|
4
|
56
|
3
|
Medizin - Technische - Assistenten (Abendschule)
|
|
|
|
|
Physiotherapie
|
58
|
2
|
75
|
3
|
Apothekenhelfer
|
|
|
|
|
Kinderpflege
|
|
|
|
|
Zahnärztliche Helfer
|
92
|
3
|
37
|
2
|
Zahntechniker
|
|
|
|
|
Diätköche
|
22
|
1
|
40
|
2
|
Mittelstufe (Ausbildung zur/zum Stationsschwester/-pfleger)
|
|
|
|
|
Fachrichtung
|
61
|
62
|
63
|
64
|
65
|
66
|
Krankenpflege
|
|
46
|
40
|
48
|
|
45
|
Krankenpflege (Abendschule)
|
25
|
|
|
|
|
|
Säuglings- und Kinderkrankenpflege
|
56
|
78
|
55
|
43
|
37
|
30
|
Säuglings- und Kinderkrankenpflege (Abendschule)
|
|
26
|
|
|
|
|
Hebammen
|
|
56
|
25
|
25
|
20
|
|
Medizin - Technische - Assistenten (Labor, Röntgen)
|
58
|
37
|
36
|
45
|
33
|
47
|
Medizin - Technische - Assistenten (Abendschule)
|
|
59
|
|
|
|
|
Physiotherapie
|
48
|
45
|
52
|
|
|
42
|
Apothekenhelfer
|
34
|
35
|
19
|
|
38
|
38
|
Kinderpflege
|
46
|
22
|
22
|
23
|
33
|
29
|
Zahnärztliche Helfer
|
40
|
35
|
47
|
21
|
19
|
28
|
Zahntechniker
|
|
|
|
|
|
|
Diätköche
|
23
|
22
|
20
|
15
|
21
|
|
Mittelstufe (Ausbildung zur/zum Stationsschwester/-pfleger)
|
|
59
|
|
|
|
|
Anlage 11
Fragen zum Interview
1. In welchem Zeitraum waren Sie in der Berufsausbildung
tätig? / Seit wann sind Sie in der Berufsausbildung
tätig?
2. Wieviel Jahre waren / sind Sie an der Medizinischen
Fachschule tätig?
3. Aus welchem Grundberuf kommen Sie?
4. Welche Beweggründe brachten Sie in die
Lehrtätigkeit?
5. Welche weitere berufliche Qualifikation haben
Sie während Ihrer Lehrtätigkeit erreicht?
6. Welche Ausbildungsberufe haben Sie unterrichtet?
7. Welche Etappen der Ausbildung haben sie in Ihrer
Lehrtätigkeit mit erlebt?
8. Wie schätzen Sie die Qualität der
Ausbildung in der Zeit der DDR ein und welche Probleme ergaben sich?
9. Welchen Stellenwert hatte die politische Arbeit
in der Ausbildung?
10. Wie stark wurde die Lehrtätigkeit durch politische
Aspekte (Gesichtspunkte) beeinflusst?
11. Welche Probleme ergaben sich für die Ausbildung
in der Phase der Umstellung durch die „sogenannte“ Wende?